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Schimmel und Pilze im Terrarium


Weiße, flauschige Flecken auf dem Substrat, ein kleiner gelber Hutpilz zwischen dem Moos oder ein gelber, schleimiger Klumpen mitten im Becken: Pilze und Schimmel gehören zu den optisch auffälligsten, aber auch am meisten missverstandenen Phänomenen im Terrarium.

Die gute Nachricht vorweg: In der weit überwiegenden Zahl der Fälle sind diese Erscheinungen für die Vogelspinne völlig ungefährlich, auch wenn sie im ersten Moment ziemlich alarmierend aussehen können.


Ein Wort mit schlechtem Ruf
Kaum ein Begriff aus der Biologie ist im Alltag so negativ besetzt wie "Schimmel". Schimmliges Brot landet im Müll, Schimmel in der Wohnung gilt zurecht als handfestes Wohnungsproblem, das Gesundheit und Bausubstanz gefährden kann, und schon das Wort allein löst bei den meisten Menschen einen kleinen Ekel-Reflex aus. Dieser Ruf ist im Kontext von Lebensmitteln oder Wohnraum absolut berechtigt.
Im Ökosystem eines Terrariums, und in der Natur ganz allgemein, spielen Pilze aber eine völlig andere Rolle. Ohne Pilze gäbe es auf der Erde praktisch kein funktionierendes Leben: Sie sind die wichtigsten Zersetzer, die totes Pflanzenmaterial und andere organische Reste in ihre Grundbausteine zerlegen und damit Nährstoffe zurück in den Kreislauf bringen. Ein Waldboden ohne Pilze würde im wahrsten Sinne des Wortes unter seinem eigenen Falllaub ersticken. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Pilze im Wald sogar den Nährstoffaustausch und die Kommunikation zwischen Bäumen ermöglichen, dem sei das großartige Buch "Das geheime Leben der Bäume" von Peter Wohlleben empfohlen. Auch im Terrarium übernehmen sie eine Aufgabe: Sie helfen dabei, Substrat, Laub und Holz abzubauen, und sind damit ein völlig natürlicher, Teil eines funktionierenden Bioaktiv-Systems, nicht sein Gegenteil. Es lohnt sich also, den ersten Schreck beim Anblick eines Pilzfundes kurz beiseitezulegen und sich bewusst zu machen: Was im heimischen Badezimmer ein Alarmsignal wäre, ist im Terrarium meist schlicht ein Zeichen dafür, dass die Zersetzung ganz normal ihre Arbeit macht.


Warum Terrarien der perfekte Nährboden sind
Ein feuchtes, warmes und organisch reichhaltiges Terrarium ist aus Sicht eines Pilzes ein Paradies. Egal ob normale Erde, Kokoserde, Kork, Laub oder Moos: Nahezu jedes Naturmaterial bringt bereits Pilzsporen mit, die einfach nur auf die richtigen Bedingungen warten. Genau deshalb taucht Pilzwachstum besonders häufig kurz nach einer Neueinrichtung auf, wenn frisches, noch feuchtes Substrat und neue Dekoration aufeinandertreffen. Sobald sich das Terrarium eingespielt hat und ein stabiles Mikroklima mit Nützlingen wie Springschwänzen entstanden ist, verschwindet ein Großteil dieser ersten Welle meist von ganz allein wieder.


Wenn es wirklich wie ein Pilz aussieht: Faltenschirmlinge
Am bekanntesten und eindeutigsten sind kleine, klassisch aussehende Hutpilze mit Stiel, Ring und aufgeschirmtem Hut (siehe Bilder unten). Verantwortlich dafür ist fast immer eine Pilzgattung namens Faltenschirmlinge (Leucocoprinus), die ursprünglich aus tropischen Laubwäldern stammt und mit Substrat, Kokoshumus oder Pflanzenerde praktisch in jedes feuchtwarme Terrarium eingeschleppt werden kann.
Am häufigsten ist der Gelbe Faltenschirmling (Leucocoprinus birnbaumii), auch Gelber Blumentopfpilz genannt: leuchtend schwefel- bis goldgelb, mit einem 2 bis 6 cm breiten, schuppig-mehligen Hut, der jung eiförmig ist und sich später schirmartig öffnet, dazu ein ebenfalls gelber, bereifter Stiel mit einem zarten Ring. Sein weißer Verwandter, unter anderem der Zwiebelfüßige beziehungsweise Kreideweiße Faltenschirmling (Leucocoprinus cepistipes / cretaceus), sieht vom Wuchs her sehr ähnlich aus, nur eben in Weiß bis Cremeweiß, mit einer typisch zur Basis hin verdickten, "zwiebeligen" Stielbasis.

Beide Arten sind reine Zersetzer, die sich vom Humus im Substrat ernähren, Pflanzen dabei nicht schaden und meist genauso plötzlich wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind: Die Fruchtkörper sind sehr kurzlebig, wachsen oft über Nacht heran und zerfallen nach ein bis zwei Tagen bereits wieder. Giftig für den Menschen sind sie nach aktuellem Kenntnisstand nicht erwiesen, gelten aber als "giftverdächtig" und sollten daher nicht verzehrt werden. Vereinzelt kursieren in der Vogelspinnen-Community auch Berichte, in denen ein Massenauftreten dieser Pilze mit gesundheitlichen Problemen bei einzelnen Tieren in Verbindung gebracht wurde. Ein wissenschaftlich gesicherter Zusammenhang ist das bislang nicht, ein Grund für etwas Vorsicht aber allemal.
Wer einen dieser Hutpilze im Becken findet, kann ihn einfach vorsichtig mitsamt dem Myzel im Substrat herausdrehen oder mit einem Löffel entfernen. Ein Wechsel des kompletten Substrats ist dafür nicht nötig, da die eigentliche Pilzstruktur, das Myzel, ohnehin meist unsichtbar im Boden weiterlebt und irgendwann erneut einen Fruchtkörper bilden kann.


Weißer, flauschiger Belag: der Klassiker
Der mit Abstand häufigste Fund ist ein weißer, watteartiger Belag auf dem Substrat, auf Laub oder an frisch eingesetztem Holz und Kork. Es handelt sich dabei meist um gewöhnlichen Schimmelpilz, der organisches Material zersetzt. Für die Vogelspinne ist dieser weiße Schimmel in aller Regel unbedenklich, er tritt vor allem in der Anfangszeit eines Terrariums auf und verschwindet häufig von selbst, sobald die Luftfeuchtigkeit etwas sinkt oder Bodenorganismen wie Springschwänze und Asseln ihn abgeweidet haben.
Wer ihn trotzdem loswerden möchte, kann die betroffene Stelle einfach mit einem Löffel oder einer Pinzette abtragen und das Substrat darunter etwas abtrocknen lassen. Ein Austausch des kompletten Bodengrunds ist normalerweise nicht nötig.


Schimmel an Kork
Kork gehört zu den beliebtesten und wichtigsten Objekten im Terrarium, ist aber auch schimmelanfällig, vor allem wenn es sich um nicht ausreichend getrocknete und oft angefasste Ware handelt. Häufig zeigt sich der Belag zuerst an der Stelle, an der die Stücke direkten Bodenkontakt haben oder ständig feucht stehen. Auch hier gilt: Meist reicht es, den Schimmel abzuwischen und für etwas mehr Trockenheit an dieser Stelle zu sorgen, zum Beispiel indem eine liegende Röhre aufgestellt oder der Kontakt zum feuchten Substrat reduziert wird.
Vorbeugen lässt sich außerdem schon vor dem Einsetzen: Feuchtes Kork lässt sich vor der Verwendung im Backofen ausbacken oder kurz abkochen, um einen Großteil der mitgebrachten Sporen und Keime abzutöten. Wer öfter mit Schimmel an Kork zu kämpfen hat, sollte dieser Empfehlung besonders folgen.


Wenn Moos schimmelt
Lebendes oder totes Moos ist im Bioaktiv-Terrarium beliebt, reagiert aber empfindlich auf zu viel Nässe bei gleichzeitig schlechter Luftzirkulation. Steht Moos dauerhaft im Nassen oder bekommt es zu wenig Luftaustausch, kippt es leicht und wird von Schimmel überzogen, statt gesund weiterzuwachsen. Meist hilft es, die betroffenen Stellen zu entfernen, die Bewässerung zu reduzieren und für etwas mehr Belüftung zu sorgen, damit sich das Moos an der übrigen Fläche wieder erholen kann.


Gelber, schleimiger Klumpen: die Gelbe Lohblüte
Deutlich spektakulärer, aber genauso harmlos ist ein gelber, an Rührei erinnernder Belag, der manchmal regelrecht über das Substrat zu "kriechen" scheint. Dahinter steckt in den meisten Fällen die Gelbe Lohblüte (Fuligo septica), im Englischen wenig schmeichelhaft auch "dog vomit slime mold" genannt. Streng genommen handelt es sich dabei gar nicht um einen echten Pilz, sondern um einen Schleimpilz (Myxomycet), eine biologisch eigenständige Gruppe zwischen Tier und Pilz, die sich tatsächlich langsam fortbewegen kann.
Die Gelbe Lohblüte ernährt sich von Bakterien und totem organischem Material und ist für Vogelspinnen und andere Terrarienbewohnern ungefährlich. Sie taucht besonders gerne auf frischem Rindenmulch oder neuem Substrat auf, wandert einige Tage umher, verfärbt sich irgendwann bräunlich und trocknet schließlich zu einer pulvrigen Sporenmasse ein. Danach ist sie meist verschwunden, kann bei einer erneuten Substratauffrischung aber durchaus wiederkommen, da ihre Sporen sehr widerstandsfähig sind.


Wann tatsächlich Vorsicht angebracht ist
So entspannt man die meisten dieser Fälle sehen kann, ein paar Anzeichen sollten trotzdem ernst genommen werden:

  • Anhaltend modrig-muffiger Geruch, der auch nach dem Entfernen des sichtbaren Belags bleibt

  • Massiver, sich stetig ausbreitender Befall, der trotz besserer Belüftung nicht zurückgeht

  • Auffälliges Meideverhalten der Spinne, die einen bestimmten Bereich plötzlich konsequent meidet

  • Dauerhafte Staunässe, die den Schimmel immer wieder neu befeuert

In solchen Fällen sollte das betroffene Substrat großzügig oder komplett ausgetauscht und die generelle Belüftung und Feuchtigkeitsgabe im Terrarium überprüft werden. Chemische Anti-Schimmel-Mittel haben im Terrarium nichts zu suchen, sie sind für die Vogelspinne mindestens genauso schädlich wie für den Schimmel selbst.


Unser Tipp: Substrat aufkalken
Ein besonders wirksamer Handgriff gegen Pilze und Schimmel verdient einen eigenen Absatz, weil er in unserer Erfahrung deutlich zu selten genutzt wird: das Aufkalken des Substrats.
Der Hintergrund dahinter ist simpel. Die meisten Pilze fühlen sich in leicht saurem Milieu am wohlsten, genau das liegt bei kokosfaser- oder torfhaltigen Substraten häufig vor. Kalk hebt den pH-Wert des Bodens in den neutralen bis leicht basischen Bereich an und entzieht dem Schimmel damit einen Teil seiner bevorzugten Wachstumsgrundlage, ganz ohne Chemikalien.
Es empfiehlt sich speziell dafür gedachter Terrarien-Kalk, wie wir ihn auch in unserem Shop führen, statt gewöhnlichem Gartenkalk. Neben dem klassischen weißen Kalk führen wir auch Magnesium-Kalk, der optisch etwas dezenter und weniger auffällig weiß wirkt und sich dadurch harmonischer ins Terrarium einfügt, aber den gleichen Zweck erfüllt. Als angenehmer Nebeneffekt liefern diese Produkte zusätzlich Calcium, von dem auch Asseln und Springschwänze für den Aufbau ihres Panzers profitieren.
Am einfachsten wird der Kalk schon beim Einrichten direkt ins frische Substrat eingemischt, statt ihn nur oberflächlich aufzustreuen. Bei einem bereits eingerichteten Terrarium lässt er sich auch nachträglich oberflächlich einarbeiten, etwa mit einer kleinen Harke (Vorsicht!). Als grober Richtwert reicht schon etwa 1 Esslöffel pro Liter Substrat, um den pH-Wert spürbar anzuheben, ohne zu übertreiben. Grundsätzlich gilt: lieber sparsam dosieren und bei Bedarf später nachlegen, als von Anfang an zu viel einzumischen, eine komplette "Überkalkung" des Substrats ist weder nötig noch wünschenswert.

gelber faltenschirmling
weißer faltenschirmling
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